Museum des Monats September 2008: Museum Ebensee
2008-09-02 01:38:07
Ebensee ist kein gewachsener Ort: Erst mit der Ansiedlung der Saline in der Ebene am Traunsee im beginnenden 17. Jahrhundert entstand auch die heute etwa 8500 Einwohner zählende Gemeinde
Ebensee ist kein gewachsener Ort: Erst mit der Ansiedlung der Saline in der Ebene am Traunsee im beginnenden 17. Jahrhundert entstand auch die heute etwa 8500 Einwohner zählende Gemeinde. Über die Jahrhunderte ist die Entwicklung Ebensees eng mit der Salz- und Sodaproduktion verbunden: Das völlig neu gestaltete museum.ebensee – vormals Heimatmuseum Ebensee – im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Saline visualisiert diese ineinander verstrickte Geschichte von Industrie und sozialer Entwicklung, Handwerk und Brauchtum.
Die Arbeit im Sudhaus der ersten Saline war hart: Zehn bis zwölf Männer schwitzten an der riesigen Sudpfanne, unter der stets ein Feuer loderte. Mit so genannten Pehrkrucken zogen sie das durch den Siedeprozess aus der Sole gewonnene Salz an den Pfannenrand, von wo aus es zur weiteren Trocknung in Holzfässer gefüllt wurde. Die Fässer verliehen den Salzstöcken – "Fudern" – erst die charakteristische konische Form, in der das weiße Gold lange Zeit gehandelt wurde.
Wie ein Sudhaus zu Beginn des 17. Jahrhunderts, Pehrkrucken oder auch eine Salzfuder ausgesehen haben, kann man im museum.ebensee genau studieren: Modelle, alte Zeichnungen und Werkzeuge sowie informativ aufbereitete kurze Texte lassen die alten Methoden der Salzverarbeitung wieder lebendig werden.
„Bei der Neukonzeption haben wir versucht, ein möglichst offenes, freies Museum nach den Prinzipien der modernen Museumsdidaktik zu gestalten“ ist Museumsleiter Dr. Franz Gillesberger auf die gelungene Umgestaltung im Zuge der Landesausstellung „Salzkammergut“ stolz.
Salz, Holz und einzigartiges Brauchtum
Auch ein Stück der ältesten Pipeline der Welt ist – ohne Vitrine – im Museum ausgestellt: Die etwa 40 km langen hölzernen Rohrleitungen transportierten Sole aus Hallstatt nach Ebensee. Aber nicht nur für die Leitungen war Holz enorm wichtig: Vor der Umstellung auf Kohle waren zu Hochzeiten zwei Drittel der Salinebelegschaft damit beschäftigt, das nötige Holz für die beständig brennenden Feuer im Sudhaus zu beschaffen.
Aus Holz sind auch die meisten der über 600 riesigen Landschaftskrippen, die heute noch in Ebensee vorhanden sind: Eine davon ist als Dauerkrippe ganzjährig im Museum zu sehen. Die im abgedunkelten dritten Stock untergebrachten originalen Glöcklerkappen sind ein ganz besonderes Highlight: Eine Audioinstallation und die von innen beleuchteten Kappen zaubern ganzjährig den Flair des traditionellen Glöcklerlaufes herbei. Zum überlieferten Brauchtum zählen auch der Singvogelfang und der berühmte Ebenseer Fasching. Letzteren können jüngere Besucher jederzeit nachspielen: Im Museum steht Kindern eine ganze Kiste voller bunter Kostüme zur Verfügung.
Tourismusgeschichte und Schulwesen bilden weitere Schwerpunkte des sozialgeschichtlichen Ausstellungsteils: Spannende Exponate und kurzweilige Texte erzählen vom ersten Schigebiet Österreichs am Feuerkogel und von engagierten Lehrern, die Pionierleistungen in der heimatgeschichtlichen Forschung erbrachten.
Seit dem Umbau – durch den auch ein barrierefreier Zugang geschaffen wurde – erstreckt sich das 1974 gegründete Museum über das ganze Haus: „Heimat – Himmel und Hölle“, die im eigens adaptierten zweiten Stock untergebrachte Schau über Migration im Salzkammergut, wird auch nach Ende der Landesausstellung Teil des Museums bleiben. „Bei der Gründung von Ebensee sind Salz- und Holzfachleute hier angesiedelt worden: Insofern passt die Schau hervorragend zu uns“ freut sich Franz Gillesberger über die beim Publikum sehr beliebte Ausstellung.
Öffnungszeiten:
Während der Landesausstellung:
täglich von 09:00 bis 18:00 Uhr, letzter Einlass: 17:00 Uhr
15. Dezember bis 2. Februar:
täglich 14:00-17:00 Uhr oder nach Vereinbarung!
Hauptstraße 27, 4802 Ebensee
Telefon: 0676/83940-777 Museum oder 0676/5419187 Museumsleiter Dr. Franz Gillesberger