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Heimat - Himmel - Hölle von Dr. Regina Reiz
 

Die Ausstellung zum Thema Heimat – Himmel – Hölle gibt einen Einblick in das Migrationsgeschehen im Oberösterreichischen Salzkammergut über eine Zeitspanne von mehreren Hundert Jahren. In dieser Zeit sind viele Menschen ausgewandert, um anderswo eine neue Heimat zu finden. Andererseits sind Leute aus den unterschiedlichsten Gründen hier hergekommen, um sich niederzulassen.

Zum besseren Verständnis werden einige Begriffe erklärt, und Licht auf mögliche Ursachen der Migration geworfen.



Heimat und Fremde:

Zu Beginn steht die Frage, was Heimat bedeutet. Historisch gesehen hat Heimat eine sehr existentielle Bedeutung. Im 19. Jahrhundert zählte die „Heimatberechtigung“ neben der Staatsbürgerschaft zu den wichtigsten juridischen Eigenschaften einer Person. Der „Einheimische“ unterschied sich vom „Fremden“ durch gewisse Rechte in der Heimatgemeinde (z.B. Aufenthalts- und Bleiberecht, Versorgung im Armutsfall). Der „Fremde“ konnte im Fall von Kleinkriminalität oder bei Verarmung aus der Aufenthaltsgemeinde abgeschoben werden. Erst ab 1902 konnte man nach langjährigem Aufenthalt das Heimatrecht in einer Gemeinde erwerben. (vgl. John  in Böhler 1995: 198 f.)

Heute trennt das Staatsbürgerschaftsrecht den „Einheimischen“ vom „Fremden“, zumindest in juristischer Sicht, denn für viele Migranten ist Heimat nicht der „gewöhnliche Aufenthaltsort“.

Heimat bezeichnet zunächst nicht einen konkreten Ort (Landschaft, Gemeinde,..) sondern die Identifikation mit und die individuelle Einstellung zu einem solchen und der dort ansässigen Gesellschaft. Gegenüber der Fremde wird Heimat im utopischen Sinne auch als der noch herzustellende Ort in einer Welt jenseits der Entfremdung verstanden.

Gegen das „Fremdsein“ in der neuen Heimat organisieren sich manche Zuwanderer z.B. in Vereinen, um weiterhin ihre Kultur und Sprache zu pflegen, was das Wohlfühlen in der neuen Situation bestärkt.

Bei der Identifikation mit Heimat spielen auch Faktoren, die die Aufnahmegesellschaft selbst betreffen, eine wesentliche Rolle. Stößt der Migrant auf Fremdenfeindlichkeit, kann er keine positive Einstellung zur Aufnahmegesellschaft entwickeln. Reagiert diese aber positiv auf den Zuwanderer, so ist dieser motivierter bei der Eingliederung in die neue Gesellschaft.

Darüber hinaus beeinflussen auch die Umstände, die zum Verlassen des Vaterlandes geführt haben, die Assimilations- oder Integrationsbereitschaft des Migranten.

Dabei reicht die Spannweite von Assimilation, wobei der Immigrant sich sowohl Sprache als auch Kultur und Wertorientierung der Aufnahmegesellschaft aneignet, über Akkulturation (einer Anpassung, die auch nur oberflächlich sein kann) bis hin zu Integration (Eingliederung in die Gesellschaft ohne der Notwendigkeit die eigene Sprache oder Kultur aufzugeben).

Ob ein Migrant seine neue Heimat als Himmel oder Hölle erlebt, hängt auch davon ab, wie sehr seine Vorstellungen, die er von der neuen Situation hatte, und die Ziele, die er erreichen wollte, sich von der Realität unterscheiden.

 

Migration:

Das Wort „migrare“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie wandern, wegziehen, Wanderung. (Emigration=Auswanderung, Immigration=Einwanderung)

Bei internationalen statistischen Erhebungen wird erst von Migration gesprochen, wenn der Wohnortwechsel sich auf einen Zeitraum von mehr als 5 Jahren erstreckt. (Han 2000: 7) Zu unterscheiden sind Binnenwanderung (innerhalb eines Nationalstaates, von einer politischen Gemeinde in eine andere) und internationale Wanderung (zwischen zwei Nationalstaaten). (Han 2000: 9f.)

Nicht erfasst wird, ob jemand freiwillig oder unfreiwillig migriert. Zu den unfreiwilligen Migranten zählen die Vertriebenen und  Flüchtlinge.

 

Flüchtling:

Das sind Menschen, die aufgrund tatsächlicher oder vermeintlicher Bedrohung für Leib und Leben (Kriege mit anderen Staaten, Bürgerkriege, religiöse, politische oder rassenbedingte Verfolgung) ihren ursprünglichen Wohnsitz vorübergehend oder dauerhaft verlassen, und anderswo Zuflucht suchen. (Art. 1 Kapitel A Nr. 2 der GFK in: Han 2000:78)

 

Ursachen von Migration:

Die Ursachen für Migration werden mit Hilfe verschiedener Theorien untersucht. Die bekanntesten sind die Push- und Pull-Modelle, die „Community“-Theorien, der Weltsystemansatz und Theorien über Kettenmigration.

 

Der Weltsystemansatz von Immanuel Wallerstein sieht der Gründe für internationale Migration in der Globalisierung der kapitalistischen Wirtschaft.

Die Welt ist in wirtschaftlich hochentwickelte Zentren und wirtschaftlich relativ unterentwickelte Peripherien geteilt. Durch die Investition von Kapitalüberschüssen der Zentren in die peripheren Regionen findet dort ein struktureller Umbruch statt.

Zuvor ländliche Gebiete mit rückständiger Agrarwirtschaft werden von einer Welle der Mechanisierung und Massenproduktion überrollt. Die Sozialbeziehungen, die auf gegenseitige Hilfe ausgelegt waren, werden von ökonomischen Tauschbeziehungen abgelöst.

Menschen und Arbeitskräfte werden dadurch von ihren traditionellen Lebensformen und sozialen Bindungen freigesetzt. Diese Freisetzung bildet den Hintergrund zur regionalen und internationalen Migration (Han 2006: 210 f.)

 

Die Push- und Pull-Modelle befassen sich mit den Faktoren des Herkunfts- beziehungsweise des Ziellandes des Migranten. Sogenannte „Push-Faktoren“ (Druckfaktoren) oder abstoßende Momente des Herkunftslandes können sein: Verfolgung aus politischen, religiösen oder rassisch bedingten Gründen, wirtschaftliche Krisen, zwischenstaatliche Kriege, Bürgerkriege, Umwelt- und Naturkatastrophen, Überbevölkerung, drohende Arbeitslosigkeit, usw.

Zu den „Pull-Faktoren“ (Sogfaktoren) zählen die Bedingungen des Aufnahmelandes, die die Migranten zur Einwanderung motivieren oder anreizen, wie: politische Stabilität, demokratische Sozialstruktur, religiöse Glaubensfreiheit, wirtschaftliche Prosperität und bessere Ausbildungs- und Verdienstmöglichkeiten, usw.

Migration ist ein komplexer Prozess, der es schwierig macht zwischen freiwilliger und unfreiwilliger Migration zu unterscheiden. Meist ist eine Mischung aus objektiv zwingenden exogenen Faktoren und subjektiv unterschiedlich begründeten Entscheidungen Ursache von Migration. Wie aussagekräftig die Push- und Pull-Theorie ist, bleibt für den Einzelfall zu prüfen, da Migranten ihre Migrationsentscheidungen nicht immer rational treffen, sondern sich von sozialen und emotionalen Bindungen (Verwandte, Freunde) leiten lassen. Für Migranten sind soziale und emotionale Sicherheit oft wichtiger als der ökonomische Vorteil. (Han 2000: 14f.)

 

Unter Kettenmigration wird eine besondere Art der Migration verstanden, die dadurch hervorgerufen wird, dass bereits Ausgewanderte durch Informationen, Erfolgsberichte, Erzählungen in Briefen oder persönlich  Familienangehörige oder Bekannte dazu motivieren ebenfalls auszuwandern, und dabei sogar Hilfestellungen (Information, Geld) leisten. (Han 2000: 12 f.)

 

 
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